Die Strecken in den Philippinen sind nicht ohne, der Fährbetrieb ist coronabedingt noch ein wenig runtergeschraubt und so fliegen wir mehr Kurzstecken als wir eigentlich vorhatten.
Von Panglao über Manila nach Caticlan zum Beispiel, die nächstgrößere Insel vor Boracay.
Der Flug ist für 11 Uhr geplant. Wir sind wie immer superpünktlich am Flughafen, haben unser Gepäck so gepackt, dass wir nur 20kg im Osprey und den Rest im Handgepäck haben, und unsere Wasserflaschen ausgetrunken.
Dann geht es auch schon los.
Nach ca. 10 min dreht die Maschine um und eine Lautsprecherdurchsage des Piloten ertönt. Sorry, kleines technisches Problem, alles easy, aber wir müssen zurück nach Panglao.
In Panglao stehen wir dann am Flughafen. Eine gute Stunde lang. Angeblich gab es ein kleines Ventil, das sich im Flug nicht schließen ließ, und die Sicherheitsvorschriften sehen in dem Fall Flugabbruch vor. Die Mechaniker wollen es richten. Wir erklären der Stewardess, dass wir einen Anschlussflug nach Caticlan kriegen möchten. Sie versucht noch, uns auf einen anderen Flug umzubuchen, da geht es aber auch schon wieder los.

Nach ca. 20 Minuten in der Luft kommt eine Durchsage aus dem Cockpit. Leider habe man das Problem nicht lösen können, wir würden zum nächstgelegenen Flughafen in Cebu City umgeleitet. Man möge sich gedulden, über alles Weitere würden wir noch informiert.
Die anderen Passagiere bleiben erstaunlich ruhig. Ich sehe vorsichtshalber in der Tasche meines Vordersitzes nach, finde aber keine Broschüre mit Gebeten, wie sie damals auf dem Flug von Java nach Bali ausgeteilt wurden, und bin mir sicher, das ist ein gutes Zeichen.
20 Minuten später landen wir auch schon. Die nette Stewardess übergibt uns an eine andere Dame, die sich um uns kümmern und den Weiterflug nach Caticlan klar machen soll. Zusammen mit den restlichen Passagieren werden wir über das Rollfeld zu einem Gate geleitet, wo wir warten sollen.
Dann wird es irgendwie chaotisch. Unser Tagalo beschränkt sich auf Danke, lecker und wundervoll und so haben wir keine Ahnung, was jetzt vor sich geht. Unsere neue Ansprechpartnerin ist im Stress und es ist schwer, eine Auskunft zu bekommen. Einige Passagiere bekommen interessanterweise noch am selben Tag einen Flug nach Manila (wir erfahren später, dass ein hochrangiger Politiker mit an Bord war, weshalb die ganze Geschichte sogar in der philippinischen Zeitung stand). Der Rest steht doof rum wie wir, einige werden laut, als klar wird, dass sie heute nicht mehr nach Hause kommen. Stephan, der ja eigentlich fast immer gut gelaunt ist, ist schlecht drauf. Wir warten und warten und irgendwann ist klar, es gibt heute auf jeden Fall keinen Flug mehr nach Caticlan.

Man bietet uns einen Flug am nächsten Tag und eine Übernachtung mit Abendessen in einem Hotel in Cebu an. Wir stimmen zu, denn eine andere Wahl haben wir ja nicht. Wir werden durch die geheimen Flure des Flughafens geschleust und dürfen uns an der Schlange vorbei drücken. Am business class Schalter bekommen wir dann unsere neuen (Premium economy) Tickets ausgestellt. Dann müssen wir wieder warten. Wir sagen dem Hotel auf Boracay bescheid, dass wir erst einen Tag später kommen können und sie sind ganz entspannt. Stephan ist nicht entspannt.

Irgendwann steigen wir in einen kleinen Shuttlebus, der uns und die anderen Gäste ins Hotel bringen soll. Alle anderen sitzen schon und es sieht so aus als sei für uns ist kein Platz mehr. Stephan raunzt mich an, jetzt lass nicht immer alle vor. Der Busfahrer öffnet die Beifahrertür, wo es noch zwei weitere Plätze gibt. Aber beeil dich wenn wir aussteigen, sagt Stephan, hinterher kriegen wir noch das letzte Scheißzimmer. Ich motze zurück, dass ich nun mal ein höflicher Mensch bin und dass ich mich nicht vordrängeln will. Du sollst dich auch nicht vordrängeln, sagt er, nur ein bisschen aktiver anstellen, wie alle anderen hier auch.
Natürlich gehen wir davon aus, dass uns niemand versteht.
In dem Moment ertönt eine Stimme aus dem hinteren Teil des Minibuses…
Entschuldigung, kommen sie aus Deutschland? Fragt uns eine Philippinin, die – wie sich heraus stellt – längere Zeit in Hamburg gelebt hat. Wir schämen uns ein bisschen.

Das Hotel ist sehr schön, das Abendessen gut. Danach gehen wir noch ins Shangri-La nebenan, essen Nachtisch und trinken einen Cocktail. Eine Dame am Nachbartisch hat Geburtstag. Wir singen beim happy birthday mit und bekommen ein Stück Geburtstagstorte geschenkt. Stephans Laune bessert sich zunehmend. Am nächsten Nachmittag fliegen wir entspannt nach Boracay.

Ganz ohne Turbulenzen. Dafür mit Getränken und kleinen Corned Beef Sandwiches.

Stephan strahlt.